| |

Wenn wir sagen, jemand hat Läuse, dann ist das etwas ungenau.
Es gibt nämlich 3 Arten von Menschenläusen:
Alle Menschenläuse sind extrem wirtsspezifisch, d.h. sie trinken nur Menschenblut und können
sich daher auf keinem anderen Säugetier vermehren.
|
|
Es gibt die Filz- oder Schamlaus
(Phthirus pubis)
Sie ist mit ca. 1 mm Länge
die kleinste Läuseart.
Sie bevorzugt Körperregionen, in denen viele Schweißdrüsen sitzen, also Schamhaarbereich,
Achselhöhlen und Brustbehaarung.
Sie wird vor allem durch Geschlechtsverkehr übertragen,
durch Berührung der Haare. Filzlausbefall scheint daher weniger ein
hygienisches Problem zu sein, sondern hängt von der sexuellen Aktivität
(z.B. häufig wechselnde Geschlechtspartner, Single, Homosexualität) ab. Manchmal können diese
Läuse auch über Kleidung oder durch Bettwäsche übertragen werden.
Der Stich der Filzlaus verursacht starken Juckreiz (allergische Reaktion) und kleine Blutergüsse
an der betroffenen Hautpartie.
Filzläuse übertragen keine Krankheiten.
Wenn sie vom menschlichen Körper getrennt sind, sterben sie spätestens nach 24 Stunden.
|
Dann gibt es noch die Kleiderlaus
(Pediculus humanus corporis)
Sie ist relativ groß,
nämlich ca. 4 mm lang.
Sie sitzt besonders an der warmen Innenseite der Kleidung,
an den Säumen und Nähten.
Das Weibchen klebt die Eier an die Nähte der Kleidung oder an die Körperbehaarung, i.d. R.
jedoch nicht ins Kopfhaar.
Die Übertragung erfolgt bei engem Körperkontakt direkt von Mensch zu Mensch
oder gemeinsam
genutztes Bettzeug, Handtücher und Bekleidung, besonders häufig unter Obdachlosen.
Die Kleiderlaus ist die einzige Laus, die durch mangelnde Hygiene verbreitet wird,
wenn also Körperwäsche und vor allem regelmäßiges Wechseln und Waschen von Kleidung nicht
möglich ist. Kleiderläuse sind daher bei uns zur Zeit
sehr selten zu finden.
Das erste Anzeichen ist meist ein ungewöhnlich starker Juckreiz.
Wenn Kleiderläuse beim Kratzen zerdrückt und in die Haut eingekratzt werden,
können sie
Bakterien übertragen, die das Läuserückfallfieber auslösen.
Fleckfieber wird über Läusekot
übertragen, der in die Haut eingekratzt wird. Für Napoleons und Hitlers Armeen wurde
das Fleckfieber während der Russlandfeldzüge zu einem ernsthaften Problem. Die Kälte
zwang die Soldaten, ihre Kleidung permanent zu tragen. Außerdem nutzten sie Kleidungsstücke
Gefallener, um sich notdürftig warm zu halten.
Körperläuse sind viel robuster als Kopfläuse,
weil sie gewohnt sind, einige Zeit vom Wirt
getrennt zu leben, wenn wir unsere Kleidung abends ablegen. Sie ertragen daher Hungerperioden
bis zu einer Woche und sind auch gegenüber Kälte resistenter. Hier besteht auch Ansteckungsgefahr
über Möbel und Teppiche. Verlauste Zimmer müssen daher mit einem Insektizid ausgenebelt werden.
|
Sehr häufig finden wir in
Deutschland die Kopflaus (Pediculu. humanus capitis)
Ausgewachsene Kopfläuse sind
2,1-3,3 mm lang,
so groß wie ein Sesamsamen, also zwischen Filz- und Kleiderläusen. Sie haben einen länglichen Körper und sind am Rücken und
Bauch abgeflacht. Sie sind schwer zu entdecken, weil sie sich der Haarfarbe des Trägers anpassen.
Außerdem ist ihre Farbe von der Nahrungsaufnahme abhängig. Nach der Nahrungsaufnahme (Hämoglobin)
sind sie rötlich-braun, sonst eher grau.
Sie leben ständig auf dem Kopf ihres Wirtes
und verlassen ihn nicht freiwillig,
denn er bietet alles, was Kopfläuse brauchen: Haare zum
Festklammern und Klettern, Wärme und Nahrung, nämlich Blut. Sie sind Wärme- und Kälteflüchter
und sind angepasst an ein Temperaturoptimum von 28-32°C. Sehr hohe Temperaturen trockenen
die Tiere aus, tiefe Temperaturen unterbrechen den Lebenszyklus. Unter 22°C und über 32°C
schlüpfen keine Larven mehr.
Am liebsten leben sie
im dichten Haarbewuchs am Hinterkopf,
in der Nackenregion und hinter den Ohren. Bei Erwachsenen
mit massivem Befall können gelegentlich
auch andere behaarte Stellen des Oberkörpers, wie Bart, Augenbrauen und Achselhaare betroffen sein.
In erster Linie bekommt man Kopfläuse durch direkten Kontakt, durch Überwandern von einem Kopf zu
anderen. Über Gegenstände werden sie dagegen, wenn überhaupt, sehr selten übertragen.
Im Unterschied zu den Kleiderläusen verbreiten sie sich auch unter guten hygienischen Bedingungen
sehr leicht. Kopfläuse kann also jeder bekommen, genau so wie einen Schnupfen.
Auch Kopfläuse können die oben genannten Krankheiten übertragen, allerdings nicht in unseren
Breiten. Insofern sind Kopfläuse harmlos.
Kopfläuse müssen mit ihrem Stech-Saugrüssel alle 4-6 Stunden (4-6 * täglich) Blut saugen,
sonst trocknen sie allerspätestens nach 3 Tagen (je nach Temperatur) aus.
Läuse, die sich
außerhalb eines Kopfes befinden, sind meist krank oder alt und stellen meist keine Gefahr dar.
|
| |
Literatur
- Das Robert Koch-Institut (RKI)
- Institut für Parasitologie des Universitäts Klinikums Bonn
- Institut für Mikrobiologie und Hygiene, Charité Universitätsmedizin Berlin
Datum der erstmaligen Einstellung: 24.05.2008
|
|
|