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  Therapie des Kopflausbefalls: 2. Präparate  
     
Welche Präparate gibt es?

Fühlen sich Kopfläuse bedroht (beim Kämmen, Haarewaschen) krallen sie sich mit ihren kräftigen Beinen an den Haaren fest - daher lassen sie sich durch einfaches Haarewaschen nicht entfernen. Die Präparate gegen Kopfläuse werden äußerlich angewendet.

Die Präparate kann man unterteilen in

  1. Neurotoxische Produkte:
  2. (Nervengifte, die als Arzneimittel zugelassen werden)

    1. Lindan
    2. Pyrethroide:

      1. Pyrethrum
      2. Halb- und vollsynthetische Abwandlungsprodukte:

        1. Kurzzeitpyrethroid S-Bioallethrin
        2. Langzeitpyrethroid Permethrin

  3. Physikalisch wirkende Produkte:
    (führen zum Ersticken der Läuse und werden als Medizinprodukte zugelassen)

    1. Dimeticon
    2. Kokosöl

  1. Neurotoxische Produkte:

    Das sind Nervengifte auf chemischer und pflanzlicher Basis. Sie erhöhen die Erregbarkeit der Nervenzellen. Es kommt zu einer Überreizung und so zum funktionellen Ausfall der Zelle. Beim Insekt kommt es äußerst schnell zu unkoordinierten Bewegungen, Krampfperioden und Lähmungen. Die vollständige Lähmung führt zum Tod. Am empfindlichsten reagieren "Wechselwarme" wie Insekten, Fische, Reptilien. Daher dürfen diese Stoffe
    nicht ins Abwasser gelangen und nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Halten Sie außerdem Abstand zu Aquarien und Terrarien.
    In hohen Dosen können auch bei Säugetieren, also auch bei Menschen, akute Vergiftungen vorkommen. Es kommt wie beim Insekt zunächst zu einer Steigerung der Erregbarkeit, die sich in Zittern, Reizbarkeit, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen und Krämpfen äußert, später treten Lähmungen auf.
    Neurotoxische Wirkstoffe sind Lindan, Pyrethrum, Allethrin und Permethrin. Sie sind alle vom Umweltbundesamt geprüft und für wirksam befunden worden.
    Da Läuseeier erst nach vier Tagen ein Nervensystem entwickeln, bleiben alle neurotoxischen Stoffe in diesem Zeitraum ohne Wirkung, selbst wenn sie in der Lage sind, die winzigen Poren im Deckel der Nisse zu durchdringen.
    Deshalb wirkt keine Substanz sicher eiabtötend. Es wird daher eine zweite Behandlung nach 8-10 Tagen empfohlen, außerdem soll das Haar zusätzlich nass ausgekämmt werden.

    1. Lindan

      Lindan gehört zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen. Es ist ein Kontakt-, Fraß- und Atemgift für erwachsene Läuse. Auch nachschlüpfende Larven werden durch die noch im Haar verbliebenen Lindan-Restmengen getötet. Die eiabtötende Wirkung wird kontrovers diskutiert.
      Die Substanz darf nach europäischen Umweltrichtlinien seit Ende 2007 nicht mehr verwendet werden, weil sie als potenziell krebserregend gilt. Außerdem traten schwere Nebenwirkungen wie Missempfindungen, Unruhe, Zittern, Kopfschmerzen, Herzjagen, Erbrechen und Durchfall auf. Auch Todesfälle (Atemlähmung) kamen vor.

    2. Pyrethroide:
         

      1. Pyrethrum:

        Pyrethrum wird aus den getrockneten Blütenkörbchen bestimmter Chrysanthemenarten durch Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen. Besonders geeignet ist die Dalmatinische Insektenblume (Chrysanthemum cinerariifolium), aber auch die persische oder kaukasische Insektenblume (Chrysanthemum coccineum). Die ursprüngliche Heimat ist der Balkan. Heute werden Pyrethrum-liefernde Pflanzen bevorzugt in Afrika (Tansania, Kenia), Mittelamerika (Ecuador, Kolumbien), Neuguinea und Japan angebaut. Pyrethrum wird seit mehr als 150 Jahren in Europa eingesetzt zur Insektenbekämpfung im Haushalt, z.B. als Fliegenspray.
        Pyrethroide sind schnell wirkende Kontaktgifte, zunächst treten Lähmungen auf, bei ausreichender Einwirkzeit tritt der Tod ein.
        Wichtig ist eine genügend lange Einwirkzeit und gleichmäßige Verteilung im Haar!
        Die Aufnahme von Pyrethroiden über die Haut wird mit 0,5 - 2,3% der verabreichten Menge als gering bewertet. Nach versehentlicher Einnahme werden die Pyrethroide in Stoffwechselprodukte ohne neurotoxische Wirkung umgewandelt. Die Ausscheidung dieser Abbauprodukte erfolgt bei Säugetieren zu 90% innerhalb der ersten 1 - 3 Tage zu etwa gleichen Teilen über Stuhl und Urin.
        Pyrethroide neigen nicht zur Anreicherung im Gewebe. Der größte Teil wird innerhalb von 2 Tagen in Form von Abbauprodukten ausgeschieden.
        Akute Vergiftungen sind daher selten! Sie kommen vor allem nach unsachgemäßem Umgang und Anwendung in geschlossenen, schlecht gelüfteten Räumen vor!
        Als Nebenwirkungen können Allergien auftreten, u.a. Asthma und Kontaktdermatitis. Personen mit Chrysanthemenallergie sollen weder den Extrakt noch die synthetischen Abkömmlinge anwenden.
        Außerdem kann es zu örtlichen Reaktionen wie Rötung, Juckreiz und Brennen kommen. Augen und Schleimhäute sind bei versehentlichem Kontakt sofort mit Wasser auszuspülen.
        In der Umwelt reichern sich Pyrethroide nicht an. Die Einsatzmöglichkeiten im Pflanzenschutz sind begrenzt, weil die Stoffe im Freiland durch den Einfluss von Licht und Luft wenig haltbar sind.

      2. Halb- und vollsynthetische Abwandlungsprodukte:
        In den 60iger Jahren wurden zahlreiche halb- und vollsynthetische Abwandlungsprodukte hergestellt.
        Sie sind
        wirksamer, beständiger, besser verträglich und billiger.

        1. Kurzzeitpyrethroid S-Bioallethrin

          Die Substanz ist schnell abbaubar und nicht raumluftbelastend. Ein rascher Abbau erfolgt insbesondere unter Licht- und Sauerstoffeinfluss. Für S-Bioallethrin konnte bei künstlicher Sonnenbestrahlung eine 90%ige Zersetzung innerhalb von 8 Stunden nachgewiesen werden.
          Im menschlichen Körper sind nach 1 Tag nur noch Spuren im Blut zu finden ist und nach 2 Tagen ist die Substanz nicht mehr nachweisbar.
          Es ist schnell und gut wirksam gegen erwachsene Läuse und Larven, gegen Eier wirkt es etwas schlechter.

        2. Langzeitpyrethroid Permethrin

          Permethrin wird weltweit in der Landwirtschaft, der Veterinärmedizin und im Haushalt als Insektizid eingesetzt.
          Es ist gegenüber Hitze und UV- Licht stabiler.
          Nach 2,5 - 55 Stunden hat sich Konzentration im Blut halbiert.
          Aus dem Fettgewebe wird der Wirkstoff langsamer freigesetzt und abgebaut. Erst nach 4 - 30 Tagen hat sich Konzentration dort halbiert.
          Amerikanische Autoren fanden die Toxizität im Vergleich zu natürlichen Chrysanthemenextrakten um einen Faktor 3 geringer. Dies hängt mit der deutlichen geringeren Aufnahme von 0,35% durch intakte Haut zusammen.
          Bei Anwendung auf der Körperoberfläche ist eine Überdosierung nicht zu befürchten.
          Permethrin hat eine gute Fraß- und Kontaktwirkung gegen erwachsene Läuse und Larven, aber keine eierabtötende Wirkung. Es ist aber wirksam gegen nachschlüpfende Larven.
          Die Langzeitwirkung, also der langsame Abbau der Substanz, begünstigt den Behandlungserfolg. Eine Wirkung ist während 11 Tagen nachweisbar, allerdings lässt sie nach einigen Tagen nach, zu einem Zeitpunkt, an dem noch Erstlarven nachschlüpfen können.
          Dies fördert eventuell die Ausbildung resistenter Stämme, die dann auch gegenüber anderen Pyrethroiden einschließlich Pyrethrum unsensibel sind, wenn auf eine 2. Behandlung verzichtet wird. Der Hersteller gibt an, dass i.d.R. eine einmalige Anwendung ausreichend sei. Die Behörde weist aber ausdrücklich auf die Notwendigkeit einer Wiederholungsbehandlung hin um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern. Laut Umweltbundesamt sind Permethrin-Resistenzen in Ländern aufgetreten, in denen langfristig Einmalbehandlungen durchgeführt wurden.

  2. Physikalisch wirkende Produkte:

    Erwachsene Läuse atmen durch kleine Öffnungen (Stigmen) an ihren Körperseiten. Sie haben an jeder Längsseite 7 Atemlöcher, die in Tracheen übergehen und die Organe des Insekts direkt mit Sauerstoff versorgen.
    Die Eikapsel ist mit einem Deckel verschlossen, in dem sich Atemöffnungen befinden. Die Sauerstoffversorgung der ungeschlüpften Larve in der Nisse erfolgt über diese Atemöffnungen.
    Ein neuer Ansatz Läuse abzutöten, besteht in der Anwendung von sehr dünnflüssigen Substanzen, die in das Röhrennetzsystem der Läuse bzw. in die Atemöffnungen der Nissen eindringen und diese verkleben. Die Substanzen ummanteln die Läuse und Nissen, wobei die Atemöffnungen bleibend verschlossen werden. Die Läuse ersticken, aus den Eiern schlüpfen keine Larven mehr.
    Der Embryo ist aber nicht auf eine kontinuierliche Sauerstoffversorgung angewiesen. Die eiabtötende Wirksamkeit erstickender Mittel ist daher fraglich.

    Dieser Therapieansatz bietet einige Vorteile:
    Zum einen ist die Ausbildung von Resistenzen nicht möglich, da die Substanzen nicht in den Stoffwechsel der Läuse eingreifen.
    Zum anderen sind die Stoffe sehr gut verträglich, sie können meist auch bei Säuglingen und Schwangeren eingesetzt werden, weil sie auch den menschlichen Stoffwechsel nicht beeinflussen.
    Seit 1995 werden physikalisch wirkende Präparate als Medizinprodukt bezeichnet. Wie Apothekenpflichtige Arzneimittel werden auch apothekenpflichtige Medizinprodukte bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

    1. Dimeticon

      Ein Stoff, der wirklich nur physikalisch wirkt, ist Dimeticon, ein dünnflüssiges Silikonöl. Silikonöle sind klare, farblose, wärmebeständige, geruchsfreie, wasserabweisende Flüssigkeiten. Sie sind nicht gesundheitsschädlich und daher u.a. Bestandteil von Hautschutzsalben, Massageölen, Zahnpasten, Gleitmittel von Latexkondomen und werden in Tropfenform oder als Kautablette gegen Blähungen eingesetzt.
      Die Anwendung ist in jedem Alter, auch bei Säuglingen und auch während der Schwangerschaft und Stillzeit möglich. Dimeticon überzieht die Läuse und Eier mit einem wasserundurchlässigen Film und kriecht in die Tracheen.

    2. Kokosöl

      Laut Firmenangaben ersticken die Läuse durch den Kokosölfilm. Danach handelt es sich um eine physikalische Wirkung wie bei den Silikonölen. Die Produkte sind daher ebenfalls als Medizinprodukte zugelassen. Ob der Effekt tatsächlich über ein Ersticken der Läuse zustande kommt, bleibt offen:
      Kokosöl enthält kurzkettige Fettsäuren mit insektizider (neurotoxischer) Wirkung bereits in starker Verdünnung, und zwar Capryl- (C8) und Capronsäure (C6)

 

Literatur

  1. Das Robert Koch-Institut (RKI)
  2. Institut für Parasitologie des Universitäts Klinikums Bonn
  3. Institut für Mikrobiologie und Hygiene, Charité Universitätsmedizin Berlin

Datum der erstmaligen Einstellung: 24.05.2008

 
 
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